Wenn Wohnen unbezahlbar wird

“Drei Zimmer, Küche, Bankrott” lautet der Titel des SPIEGEL vom 19.11.2022. Hier der Artikel als PDF:

Quelle: www.spiegel.de/wirtschaft/immobilien-und-die-energiekrise-der-wohnungsmarkt-geraet-ausser-kontrolle-a-c75e7f5b-f27c-4f75-a47b-e9a6bae79d8f

Seit Jahren sind die Wohnungsmärkte angespannt, nicht nur in den Großstädten: die Mieten steigen, die Kaufpreise steigen. Nun im Jahr 2022 steigen auch die Kreditzinsen und die Energiepreise. Schon vor der Energiekrise war jeder Achte mit seinen Wohnkosten überlastet. Geringverdiener sind sehr belastet. Jetzt wird es auch für die Mittelklasse enger. Manche rutschen in die Armut ab. Man könnte es oft auch “Energiearmut” nennen.

Die SPD wollte 400.000 Wohnungen bauen, im Jahr 2021 waren es aber nur 293.000, Tendenz sinkend. In 2022 werden wohl nur 250.000 gebaut. Besonders im sozialen Wohnungsbau sieht es düster aus: von 100.000 geplanten Wohnungen hat die Regierung nur 25.000 erreicht. Die Arbeiter- und untere Mittelschicht werden schon seit Jahren beim Wohnen an den Rand gedrängt. Stichwort Gentrifizierung. Jetzt treibt es auch die obere Mittelschicht aus den Stadtzentren, vor allem Familien, weil das Wohnen dort unerschwinglich geworden ist.

Berlin rechnet in 2040 mit 4 Mio. Einwohnern, eine halbe Million mehr als 2010. Doch nicht nur Energie und Bauzinsen sind teuer geworden, auch Rohstoffe und Baumaterialien. Selbst wer schon eine Immobilie hat, muss eventuell 5-stellige Beträge für die Sanierung ausgeben — gemäß dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG), das im November 2020 in Kraft trat. Die Immobilienbranche befindet sich plötzlich im Sinkflug mangels Kauf- oder Bauinteressenten. Selbst für große Investoren lohnt sich das Bauen derzeit kaum noch.

Neu gebaute Wohnungen pro Jahr2011: 180.0002021: 293.000
Mietpreise Stuttgart
Mietpreise Deutschland
2012: 9 €/qm
2012: 6 €/qm
2022: 14 €/qm
2022: 9 €/qm
Zinsen für 10-jährige Immo-Kredite p.a.2012: 3,3 %
2017: 1,5 %
2020: 0,5 %
2022: 4,0 %
Kaufpreise für Wohnungen (60-80qm)
Kaufpreise für 1- od. 2-Fam.-Häuser
2012: 1500 €/qm
2012: 1800 €/qm
2022: 3500 €/qm
2022: 4000 €/qm
Lehrstand2006: 4 %2020: 2,8 %
Nachfrage pro Inserat pro Woche für
Wohnungen auf ImmoScout24:
* Berlin
* Stuttgart
* Deutschland
Neubau:

76
18
9
Bestand:

226
26
21

Diese Kosten steigen derzeit gleichzeitig:

  • Inflation: also Lebensmittel und andere Alltagsausgaben.
  • Energie: Strom, Gas, Heizung, …
  • Mieten!
  • Zinsen für Immo-Finanzierungen: von 0% Anfang 2022 auf 4% Ende 2022.
  • Rohstoffe und Baumaterial.
  • damit auch Baupreise oder Sanierungskosten.
  • Personalkosten im Bereich Bau und Energietechnik wegen Fachkräftemangel.

Bis Ende der 20er Jahre soll der Gebäudebestand in Deutschland durchsaniert sein. Häuser der Energieeffizienzklasse G und H dürfen dann nicht mehr vermietet werden. Bis 2045 sollen gemäß der EU sogar alle Häuser klimaneutral sein. Hausbesitzer müssen also Geld ausgeben für moderne Heizungen, neue Fenster, bessere Dämmung, und vielleicht auch für eine Solaranlage. Diese Kosten werden dann natürlich bei den Mieten aufgeschlagen.

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