Ein ungewöhnliches Wohnprojekt in Italien gibt nicht nur den betagten Bewohnern Geborgenheit. Seitdem die Alten dort bleiben, bietet das Bergdorf auch den Jungen wieder eine Perspektive.
Bei GEN (Global Ecovillage Network) wird gerade auch über mögliche Wohnformen für Ältere gesprochen, die dem Gemeinschaftsgedanken zugetan sind.
Seit der Corona-Krise wird wieder verstärkt auf das Thema Einsamkeit geschaut. Der Ulmer Psychiater und Neurowissenschaftler Prof. Manfred Spitzer hat sogar ein viel beachtetes Buch dazu geschrieben. Andererseits legen Studien nahe, dass Einsamkeit nicht zunahm in den letzten Jahrzehnten, sondern gleich geblieben ist. Die Frage ist, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Der Spektrum-Artikel beschreibt den Stand der Forschung:
Nach dem Umbau des Fly-Away-Hotels in Kloten bei Zürich hat der Gründer Johannes Peter (34) nun ein weiteres ehemaliges Hotel zum Co-Living umgenutzt. Das “Domo Vulveo”, ebenfalls bei Zürich. Es beherbergt 38 neue Mieter. Vielen von ihnen ist die Gemeinschaft im Haus wichtig.
In Deutschland wird der Albtraum aller Familien gebaut
Der Titel ist etwas reißerisch, aber Neubauten mit vielen kleinen Wohneinheiten sind zwar interessant für junge Menschen, Studenten oder Singles, aber ungeeignet für Paare, Familien und Geringverdiener. Dafür sind sie inzwischen beliebt bei Investoren, da z.B. Mikroapartments mit 25 qm, Bad und kleiner Küche ca. 525 € Warmmiete kosten, also rund 20 €/qm. In Berlin fallen sie außerdem nicht unter die Mietpreisbremse. In Deutschland sind in den letzten Jahren Wohnanlagen mit rund 65.000 Zimmern hochgezogen worden.
Die Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel hat den Bestseller “Unsere Welt neu denken” geschrieben, sowie weitere Bücher wie “The Great Mindshift“, ist Mitglied im Club of Rome, und wendet sich gegen Ideologien wie z.B. Rechts und Links. Und für ein neues Miteinander.
In Corona-Zeiten haben Hotels es schwer. In Kloten bei Zürich wird nun das “Fly Away” mit 38 Zimmern in eine große WG umgewandelt, neudeutsch auch Co-Living genannt. Der Hotelbesitzer hat sich mit dem Jungunternehmer Johannes Peter und seinem Startup “Tomo Domo” zusammengetan. Er finanziert auch den Umbau von 200.000 Schweizer Franken. Es gibt schon 100 Bewerbungen. Die Bewohner mieten ein privates Zimmer und teilen sich die Gemeinschaftsflächen wie Küche, Wohnzimmer, u.ä.. Das Kollektiv wird eine große Rolle spielen. Wichtig seien vor allem «die Freude und Bereitschaft, mit anderen Menschen zusammenwohnen zu wollen».
Sechs große Gebäude in Berlin-Schöneberg mit 80 Mietern sollen an Immobilieninvestoren verkauft werden, die sie sanieren und viel teurer weiterverkaufen oder vermieten wollen. Die Mieter gründen eine Genossenschaft, die “Diese eG”, und schaffen es, die Häuser selbst zu erwerben, mittels des Vorkaufsrecht der Stadt. Das löst heftige politische Attacken aus.
Im Stern-Podcast wird über Leute berichtet, die ein “Ko-Dorf” erbauen, ein gemeinschaftsorientiertes Mini-Dorf auf dem Land mit 40 kleinen Holzhäusern. Als Genossenschaft, mit Gemeinschaftsflächen, Veranstaltungen, Kulturbetrieb, Co-Working-Space, u.ä.. Im Gegensatz zur Vereinzelung in normalen Einfamilienhaussiedlungen. Zuerst in Wiesendorf in Brandenburg, künftig auch in NRW.
Johann Hari berichtet als Depressionsbetroffener auf Focus.de über seine Erfahrungen. Unter anderem, dass Antidepressiva die Probleme lindern, aber nicht unbedingt heilen. Und dass deswegen manche Therapeuten inzwischen das “soziale Rezept” verschreiben. Das heißt, dass sich depressive Menschen sich mit anderen Betroffenen treffen und gemeinschaftliche Aktivitäten entwickeln. Das kann sie aus jahrelangem Leiden holen und viel tiefgreifendere Lösungen hervorrufen:
Als Depressions-Betroffener wollte Johann Hari es nicht hinnehmen, dass es ihm immer schlechter ging. Also suchte er nach Alternativen. Foto: focus.de, GettyImages.